Spatialismus (italienisch: Spazialismo) entstand als Kunstrichtung, die 1947 vom argentinisch-italienischen Künstler Lucio Fontana in Mailand gegründet wurde und die darauf abzielte, Farbe, Klang, Raum, Bewegung und Zeit in einer neuartigen künstlerischen Form zu synthetisieren.
Übersicht
Die Grundprinzipien der Bewegung wurden erstmals in Fontanas Manifiedto blanco (Weißes Manifest) dargelegt, das 1946 in Buenos Aires veröffentlicht wurde. Dieses Manifest führte das Konzept einer neuartigen „räumlichen“ Kunst ein, die sich am vorherrschenden Nachkriegsethos orientiert. Sie lehnte die illusorischen oder „virtuellen“ Dimensionen ab, die der traditionellen Staffeleimalerei innewohnen, und plädierte stattdessen für die Integration von Kunst und Wissenschaft, um Farbe und Form durch zeitgenössische Technologien wie Neonbeleuchtung und Fernsehen in den greifbaren Raum zu projizieren. Anschließend wurden fünf weitere Manifeste herausgegeben; Diese befassten sich mehr mit den Ablehnungen der Bewegung als mit ihren positiven Vorschlägen und führten das Kernkonzept des Spatialismus nur unwesentlich über die Definition seines Wesens als „plastische Emotionen und Emotionen der auf den Raum projizierten Farbe“ hinaus weiter. Im Jahr 1947 konzipierte Fontana die „Black Spatial Environment“, einen vollständig schwarz gestrichenen Raum, der als Vorläufer der Umweltkunst gilt. Auch seine 1949 bzw. 1959 entstandenen markanten, mit Messern und Schnitten versehenen Leinwände gelten als Inbegriff des Spatialismus. Ein bemerkenswertes Beispiel der mit einer Rasierklinge ausgeführten Schnitttechnik ist Spatial Concept Waiting (1960), ausgestellt in der Tate, London. Trotz der etwas abstrakten Natur von Fontanas theoretischem Rahmen erwies sich seine Perspektive als äußerst einflussreich und positionierte ihn als einen der ersten und wohl ersten lateinamerikanischen und europäischen Künstler, der sich wirklich für Kunst als gestischen oder performativen Akt einsetzte und nicht nur als Produktion eines dauerhaften physischen Artefakts.
Cyber-Spatialism
Im Jahr 2005 schuf das deutsch-französische Künstlerduo Cécile Colle und Ralf Nuhn eine Reihe von Leinwänden mit integrierten Computeranschlüssen und gab diesem Werk den Titel „Cyber-Spatialismus“. Dieses Projekt ließ sich maßgeblich von Fontanas Gesamtwerk inspirieren. Die Künstler erklärten, dass „der Cyber-Spatialismus durch die Ersetzung von Fontanas Schrägstrichen durch Computerverbindungen eine Erweiterung der Leinwand in den Cyberspace impliziert und damit versucht, die Vorstellung anzusprechen, dass in der heutigen globalisierten Kultur der reale Raum zunehmend durch den virtuellen Raum ersetzt wird.“
Zitate
Referenzen
- Chilvers, Ian. The Concise Oxford Dictionary of Art and Artists. Oxford University Press, 2003. Zugriff über das Internet am 13. Oktober 2011.
- Medien zum Thema Spatialismus bei Wikimedia Commons